Unterm Pflaster liegt der Strand – 1. Mai Demo 2006 München

Frankreich im Frühjahr 2006: Studierende, ArbeitnehmerInnen, Prekarisierte, Arbeitslose und Schülerinnen kämpfen gemeinsam gegen das CPE-Gesetz der Regierung Villepin welches die fristlose Entlassung von Beschäftigten bis 26 Jahren ohne Begründung ermöglichen soll. Es kommt zu Besetzungen der größten Unis, zu Streiks, zu Straßen- und Bahnhofsblockaden, zu Massendemonstrationen, an denen Millionen von Menschen teilnehmen und zu Straßenschlachten im Zentrum der französischen Großstädte. Die Stärke der französischen Bewegung liegt in der praktizierten Solidarität der verschiedenen sozialen Gruppen und der Vielfalt der angewandten Mittel.
Hier hingegen dominiert die Isolation der sozialen Kämpfe: Die Proteste gegen die Hartz-Gesetze gegen Studiengebühren und Büchergeld oder die gegenwärtigen Streiks gegen die Arbeitszeiterhöhung im Öffentlichen Dienst werden häufig nur von den jeweils Betroffenen unterstützt, eine gesamtgesellschaftliche Dynamik entsteht meist nicht. Ähnlichens gilt für all die kleinen Formen des Widerstands gegen die Zwänge des kapitalistischen Irrsinns: das Blaufeiern gegen die sinnlose Arbeitshetze im Betrieb oder das stumpfe Pauken in der Schule, das Stempelfälschen am Samstag Abend weil man sich das Konzert in der Muffathalle auch ohne 30 Euro Eintritt anschauen will oder das Zerkratzen der Karre des Chefs, der mit seinen hohlen Phrasen nervt. Doch ohne eine Verbindung unserer Kämpfe wird jener Massencharakter nicht zu erreichen sein, der nötig ist, die Sozialraub-Politik der herrschenden Klasse zu blockieren. Zu Hoffen eine breite gesellschaftliche Bewegung werde von den sozialpartnerschaftlich orientierten DGB-Gewerkschaften ausgehen, bleibt Illusion – deren Spitzen werden sich erst bewegen, wenn der Druck von unten sie zwingt. Es liegt also an uns, eine Bewegung ins Rollen zu bringen, die den neoliberalen Durchmarsch aufhält und gleichzeitig schon die Grundlagen für vielmehr entwickelt: für Selbstorganisation und Basisdemokratie, für ein Leben und Arbeiten jenseits der zerstörerischen Logik des Kapitalismus. Wir wollen den 1. Mai nutzen, um einen ersten Schritt in diese Richtung zu gehen, gemeinsam mit Prekarisierten, BasisgewerkschafterInnen, SchülerInnen und Studierenden. In diesem Sinn:
Für die Aufkündigung des sozialen Friedens mit den herrschenden Verhältnissen weltweit!
Kommt Alle zur antikapitalistischen 1. Mai Demo!


