erste nachbereitung convergence center
dieser text ist eine erste nachbereitung des convergence centers im ehemaligen tröpferlbad anlässlich der proteste gegen die nato-sicherheitskonferenz vom 7. -9. februar 03 in münchen.
er ist gedacht als kurze darstellung der ereignisse vom 5. – 9. februar 03 und der versuch einer ersten einschätzung sowohl positiver wie negativer aspekte des convergence centers wie auch einiger überlegungen bezüglich zukünftiger ähnlicher projekte. das center war teil einer für diese tage organisierten infrastruktur, zu der ausserdem die demosanis, der ermittlungsausschuss, infotelephon, infopoints und mehrere münchner kneipen, die billige voküs anboten, gehörten. die das convergence center vorbereitenden gruppen waren ausserdem im bündnis gegen die nato-sicherheitskonferenz an der mobilisierung der aktionen gegen die münchner sicherheitskonferenz beteiligt.
das convergence center im tröpferlbad.
die vorbereitungen begannen bereits ende herbst 02. an der organisation beteiligt waren hauptsächlich mittwochskafe, freitagskafe und ak internationalismus – gruppen die sich schon seit längerem im tröpferlbad treffen, kafe und infoveranstaltungen machen, konzerte organisieren, etc. ausserdem beteiligten sich junge atonome münchen, deportation class und viele fleissige einzelpersonen. wir hatten uns vorgestellt, einen raum zu bieten, in dem andere gruppen und menschen zusätzlich zu der geplanten kundgebung und demonstration eigene bunte und vielfältige aktionen vorbereiten könnten. darum haben wir zahlreiche gruppen aus münchen und anderen städten angefragt, das center gemeinsam mit uns inhaltlich zu gestalten. zusagen kamen von der roten hilfe münchen, den münchner demosanis, bundesweiten pink/silver-zusammenhängen und radical puppetry. angekündigt wurde das convergence center in der mobilisierungszeitung zu den protesten gegen die nato-sicherheitskonferenz, im internet unter anderem auf indymedia und no-nato, auf dem münchner antikriegs-kongress vom 10. – 12. januar 03, auf mobilisierungsveranstaltungen im mittwochskafe und freitagskafe sowie auf eigenen programmflyern.
mittwoch bis freitag fanden tagsüber mehrere workshops statt, zum beispiel wurden zahlreiche transparente gemalt, puppen gebastelt und verschiedene aktionen vorbereitet. abends gab es infoveranstaltungen zu rechtshilfe, erster hilfe auf demos und ein allabendliches infoplenum mit den aktuellen infos und der möglichkeit zu anschliessender diskussion. während der ganzen tage war das convergence center gut besucht und vor allem am freitag kamen zahlreich menschen auch aus anderen städten. gegen 23 uhr wurde das center überraschend von mehren hundertschaften der polizei, darunter auch einheiten des bayrischen usk ( unterstützungskommando – bayrische kasernierte sondereinheit ) brutal gestürmt und alle anwesenden zum teil trotz widerstands einer identitätsfeststellung unterzogen. 22 menschen wurden bis samstag nachmittag bzw. abend in gewahrsam genommen. ausführlichere schilderungen der stürmung finden sich in der erklärung der anwälte der ingewahrsamgenommenen, der ersten erklärung der convergence center crew von freitag nacht sowie in der erklärung des vereins zeit, schlacht und raum. wir wollen sie deshalb hier nicht noch einmal wiederholen sondern eine kritische einschätzung der ereignisse versuchen. samstags fiel aufgrund der stürmung frühstück und mittagessen aus. tagsüber räumten wir auf und diskutierten über einen effektiveren schutz der räume. abends gab es wieder vokü und ein infoplenum, auf dem wir uns zu der polizeiaktion und unserer einschätzung und selbstkritik bezüglich unseren unzureichenden schutzes des centers äusserten. um 1 uhr verließen die restlichen gäste aufgrund der in der nachbarschaft streife fahrenden und sporadisch kontrollierenden polizei gemeinsam das center. sonntags entfiel ebenfalls das frühstück – wie bereits am samstag gab es ebenfalls frühstück im nahegelegenen infopoint in der augsburgerstrasse, denen wir einen teil unserer vorräte brachten. nachdem wir die räume aufgeräumt und geputzt hatten, gab es ein erstes plenum der beteiligten gruppen und einzelpersonen, um die geschehnisse der vergangenen tage zu reflektieren.
unsere idee des convergence centers war die eines raums zur vorbereitung unterschiedlichster aktionen. daraus resultierte unsere verantwortung allen beteiligten und der ungestörten planung bzw. umsetzung ihrer aktivitäten. presse wurde deshalb konsequent an die presse-ag des demobündnisses verwiesen, zum einen, um eine sichere vorbereitung diverser projekte zu gewährleisten, zum anderen, weil niemand für das gesamte convergence center sprechen konnte, da es keine kollektive auseinandersetzung zum thema pressearbeit gab. hinsichtlich des schutzes gegenüber den ordnungshütern gibt es jedoch einiges an kritik bzw. selbstkritik. für eine ausführliche diskussion des sicherheitskonzeptes haben wir uns in der vorbereitung bei weitem nicht genug zeit genommen. wir haben die grosse resonanz des centers und die damit verbundene arbeit unterschätzt. vor allem am freitag waren alle beteiligten nahezu permanent mit kochen, theke, plenum vorbereiten sowie ordnerInnen dienst bschäftigt. zum ausruhen und erholen war für niemanden richtig zeit. aus dieser überforderung ergab sich eine gewisse übermüdung und unkonzentriertheit, die sich am folgenschwersten beim schutz der räume auswirkte (wie wir in zukunft mehr menschen in die organisation eines solchen projekts einbinden können ist vor allem hinsichtlich der kleinen münchner szene, die während der proteste mit der umsetzung einer infrastruktur völlig eingebunden war, eine wichtige diskussion). eine so gut vorbereitete und schnell durchgeführte stürmung hatten wir nicht erwartet und wurden davon überrascht. aber auch bei einem besseren schutz und vorerst verschlossenn türen hätten wir nur einen geringen verhandlungsspielraum gehabt. die polizei war auf alle eventualitäten vorbereitet und hätte aufgrund ihrer ausrüstung mit rammbock, brecheisen und bolzenschneidern lediglich ein wenig länger für die stürmung des centers gebraucht. uns wäre höchstens die möglichkeit geblieben, gefährdete menschen in sicherheit zu bringen, was hinsichtlich der massiven polizeipräsenz in der umgebung auch schwierig gewesen wäre. dadurch dass die polizei sofort alle räume besetzte – wobei sie sich mit tritten, schlägen und stössen brutal den weg bahnte – blieb uns keine möglichkeit zu einer koordinierten reaktion. durchgsagen über megaphon untersagten uns die beamten. kritik haben wir auch daran, dass einige von uns weiter bier ausschenkten, selber tranken und die musik weiterlaufen liessen. insgesamt hätten wir besser und schneller mit der polizei verhandeln müssen. nachdem die meisten einer kontrolle unterzogen worden waren, kümmerten sich die bereits kontrollierten nicht um den versuch bzw. die organisation einer reaktion auf die stürmung zum beispiel in form einer blockade einer nahegelegenen strassenkreuzung oder einer spontandemo. dies wurde nur ansatzweise auf den vorbereitungstreffen und den allabendlichen infoplenas zur sprache gebracht und unzureichend vorbereitet. wie am samstag abend der schutz organisiert wurde, hätte er die ganzen tage über funktionieren müssen. in der nachbarschaft wurden an diesem abend permanent polizeistreifen und zivis beobachtet, das center durch posten an fenstern sowie mehr ordnerInnen am eingang geschützt. der eingang wurde mit dem schutz beider türen doppelt abgesichert. außerdem waren durchgehend genug menschen zum abwechseln anwesend, was die tage zuvor nicht der fall war.
abgesehen von der stürmung sind wir recht zufrieden wie das convergence center gelaufen ist. allgemein war die stimmung gut. einerseits bei den gästen, die selbst ideen einbrachten und die räume so nutzten wie wir das erhofft hatten, und andereseits haben wir uns intern gut verstanden und aufeinander geschaut, so dass niemand sich trotz vieler arbeit überfordert oder alleingelassen gefühlt hat. sowohl die workshops tagüber wie auch die umstellung auf plenum und kafe funktionierte trotz der eingeschränktheit durch die kleinen räume relativ gut. auch die vokü klappte gut, abgesehen von freitag abend wo wir, wegen des großen andrangs mit dem kochen zeitweise nicht hinterherkamen. In zukunft wollen wir als beiteligte gruppen und einzelpersonen mehr zusammen machen. wir wollen unsere alltäglichen projekte wie zb. mittwochskafe und freitagskafe mehr gemeinsam gestalten und bei größeren anlässen wie mobilisierungen in münchen und anderswo ähnliche projekte wie das convergence center organisieren. vor allem wegen der vereinnahmungsversuche durch rot-grün und reformistische strömungen finden wir es wichtig unabhängige und kreative aktionen zu machen und dafür einen rahmen zu bieten.
für mehr unabhängige freiräume, aus denen sich eine emanzipatorische und autonome bewegung entwickeln und vernetzen kann!
mittwochskafe / freitagskafe / ak internationalismus


