Antikriegs-Kongress in München 2004
9./10./11. Januar 2004 im DGB-Haus
Antikapitalismus globalisieren – gegen die Kriegspolitik von Nato, Militärmacht EU und USA
Die internationale Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung und die Kriegspolitik der NATO-Staaten mischt sich seit Seattle, Davos, Prag, Göteborg, Genua, München, Florenz und die weltweiten Proteste gegen den Irak-Krieg verstärkt in die öffentliche Auseinandersetzung ein: Der 2. Münchner Antikriegs-Kongress will unter dem Motto „fortsetzung folgt!“ kurz vor den Protesten gegen die „Münchner Sicherheitskonferenz“ vom 6. bis 8. Februar 2004 und das World Economic Forum in Davos (WEF) vom 17. bis 25. Januar 2004 erneut ein bundesweites Forum für Diskussion und Information bieten.
Der Münchner Kongress setzt damit die im Januar 2003 begonnene Debatte fort und verbindet dabei öffentliche Diskussionsveranstaltungen mit weiterführenden Arbeitsgruppen, in denen die TeilnehmerInnen gemeinsam mit den eingeladenen Gästen in Workshops die Auseinandersetzung vertiefen und nach praktischen Formen der Zusammenarbeit und politischen Organisierung suchen.
Veranstalter:
Michael Wendl/ver.di bayern, ver.di Bezirk München, Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di/ Kreisverband München, Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V. München, Bayerischer Flüchtlingsrat, Informationsstelle Militarisierung (IMI) Tübingen, Redaktion Fantomas, Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), Bundesweite Antimilitaristische Koordination „KriegistFrieden!“ (KiF)
Tagungsort: DGB-Haus
Schwanthalerstraße 64
80336 München
Auftaktveranstaltung:
Krieg nach außen – Krieg nach innen
Freitag von 19.30 – 22 Uhr (großer Saal: DGB-Haus)
In der „neuen Weltordnung“, verharmlosend „Globalisierung“ genannt, gibt es keinen
Friedenszustand, der ohne Krieg auskommt: Während die Auflösung der westlichen Wohlfahrtsstaaten immer mehr Züge autoritärer Kontrollstaaten zeigen, werden im Süden Regime der Re-Kolonialisierung errichtet. Der Klassenkampf von oben, die verschärfte Konkurrenz unter den kapitalistischen Ländern und weltweite Militärinterventionen beschleunigen diese Dynamik.
Der Krieg ist nicht zu Ende – ob in Afghanistan, Irak, Kosovo oder im Kongo: Die Militärmächte der USA und der EU sind zwar in der Lage, schnelle operative Erfolge zu erzielen, doch es gelingt ihnen nicht, die angefangenen Kriege auch zu beenden. Unter dem Propagandabegriff „Sicherheit“ wird Krieg zum Mittel des permanenten Krisenmanagements. Die Militarisierung der Politik und der soziale Kahlschlag sind dabei zwei Seiten derselben Medaille. Längst drohen ein weltweiter Rüstungswettlauf und die dauerhafte Militarisierung der Gesellschaften. Eine Rückschau mit Ausblick und Perspektiven für die internationale Bewegung gegen Krieg und kapitalistische Globalisierung.
Grußwort: Michael Wendl, ver.di Bayern
Podium:
Tobias Pflüger, Informationsstelle Militarisierung (IMI), Tübingen
Sabah Alnasseri, Politologe und Autor
Vertreterin von attac
Vertreterin Antipatriarchales Netz Berlin
Vertreterin der Bundesweiten antimilitaristischen Koordination „KriegistFrieden“ (KiF)
Thomas Seibert, Redaktion Fantomas
Foren & Workshops
Samstag: Impulsreferate von 10 – 11 Uhr
Samstag: Workshop von 14.30 – 18 Uhr
Forum 1: Militärmacht EU und die Militarisierung der deutschen Politik
Die Militarisierung der deutschen Außenpolitik und die Aufrüstung der Bundeswehr zur weltweit einsatzfähigen Interventionsarmee wird begleitet von einem rasanten Abbau demokratischer und sozialer Rechte: Die Kriegspolitik und die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben bilden dabei eine untrennbare Einheit. Strategien und Perspektiven der Antikriegsbewegung.
Podium/Workshop:
Tobias Pflüger, Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Michael Wendl, verdi
Vertreterin, KiF
Claus Schreer, Aktionsbündnis gegen die
Nato-“Sicherheitskonferenz“
Forum 2: Neoliberale Globalisierung und ihre militärische Absicherung
Samstag: Impulsreferate von 11 – 12 Uhr
Samstag: Workshop von 14.30 – 18 Uhr
Erklärtes Ziel der Welthandelsorganisation (WTO) ist die Herstellung des sogenannten freien Weltmarktes: die Abschaffung von „tarifären und nichttarifären“ Handelshemmnissen. Dort, wo eine neoliberale Globalisierung nicht schnell genug durchzusetzen ist, bemühen sich die USA und Europa Regionalverträge abzuschließen. Diese Vorhaben werden zunehmend militärisch abgesichert. Investitionshemmende Alltagskriminalität z.B. in den Ländern Zentralamerikas wird mit repressiven Maßnahmen durch die Polizei unter Mitwirkung des Militärs „bekämpft“. Unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung wird Militär zu Aufstandsbekämpfung z.B. in Kolumbien ausgebildet und eingesetzt. Und schließlich werden Vorkehrungen getroffen, um den zunehmenden Widerstand derer, die die Kehrseite des „freien Welthandels“ in Form von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Hunger zu spüren bekommen, gewaltsam niederschlagen zu können.
In dem Forum soll anhand von Beispielen aus Lateinamerika und Afrika die Auswirkungen der Freihandelspolitik und ihr Zusammenhang mit Militarisierung und Widerstandsperspektiven diskutiert werden.
Podium/Workshop:
Ökumenisches Büro, München
Anne Jung, medico international
Dario Azzellini, FelS
Forum 3: Lager/Grenzen/Flüchtlinge
Samstag: Impulsreferate von 12.15 – 13.15 Uhr
Samstag: Workshop von 14.30 – 18 Uhr
Das 20. Jahrhundert galt vielen als Jahrhundert der Lager. Doch gerade jetzt werden allerorten neue Lager errichtet, in denen Flüchtlinge von der Außenwelt ferngehalten und einer erniedrigenden Behandlung unterworfen werden. Diese Lager sind keine Notbehelfe, sie schaffen gezielt Not, weil sie abschrecken sollen. Dies geschieht nicht nur in Deutschland, dies geschieht zunehmend weltweit. Fluchtmigration soll verhindert werden im Interesse der westlichen, der entwickelten Staaten, und längst sind Aufträge an internationale Organisationen vergeben. Was sind die Ziele, wer sind die Akteure und was sind die Konsequenzen für Flüchtlinge? Perspektiven der Flüchtlingspolitik und Gegenstrategien sind Thema der ReferentInnen.
Podium/Workshop:
Maria Wöste, AK Asyl Göttingen, 3A Kampagne
Vertreterin Pro Asyl
Frank Düvell, Migrationswissenschaftler
Forum 4: Militarisierung und Patriarchat
Freitag: Statement Auftaktpodium
Samstag: Workshop von 14.30 – 18 Uhr
Die Auseinandersetzungen um Krieg müssen weiter gehen: Weiter als von einem Krieg zum nächsten, weiter als nur zur (offensichtlichen) Militarisierung der globalen und lokalen Verhältnisse, denn Kriege durchdringen den Alltag. Deshalb müssen wir auch die Bedingungen von Krieg in den Blick nehmen: die Lebens- und Geschlechterverhältnisse im globalen Norden.
Workshop:
Antipatriarchales Netz Berlin
KiF
Forum 5: Kein vergeben, kein vergessen! – „Sie dürfen nicht durchkommen!“
Samstag: Podiumsdiskussion von 19.30 – 21.30 Uhr
Zur Kontinuität von Kriegsverbrechen, Folter, staatlicher Repression und Menschenrechtsverletzungen sowie der Situation von politischen Gefangenen.
Heute werden im Namen der Sicherheit und der Menschenrechte Kriege geführt, Gefangene gefoltert und zugleich Befreiungsbewegungen auf die internationale Terror-Liste gesetzt. Die Einhaltung der Menschenrechte ist immer auch von den internationalen Kräfteverhältnissen und deren Veränderungen geprägt.
Die Kriegsverbrecher und die Verantwortlichen für Folter, Repression und Mord dürfen sich niemals sicher fühlen. Sie dürfen nicht ungestraft davon kommen – auch wenn es Jahrzehnte dauern kann. Diese existentielle Position ist nicht immer integraler Bestandteil linker Politik und Alltagskultur. Der Kampf und die gesellschaftliche Auseinandersetzung darum ist jedoch immer auch eine Frage des kollektiven Bewusstseins und der Erinnerung einer politischen Bewegung. Zugleich greift dieser Kampf immer die offizielle Geschichtsschreibung der Sieger an: Auf dem Podium diskutieren verschiedene Organisationen, die sich mit praktischen Initiativen gegen die Kontinuität deutscher Kriegsverbrechen und die aktuelle Situation von staatlicher Repression wenden.
Podium:
AK Angreifbare Traditionspflege, Wuppertal
„Internationale Untersuchungskommission Andrea Wolf“, München
Initiative libertad!
Initiative zur Berliner Afrika-Konferenz 2004 – Reparationen für 500 Jahre Kolonialismus
Forum 6: Der Kampf um die Köpfe – Krieg und Medienbilder
Sonntag von 10.30 bis 12 Uhr
– Die Mythen des Orients – Bilder des Neo-Orientalismus. – Die mediale Kriegsführung richtet sich auch gegen die Menschen im eigenen Land, gegen ihre Fähigkeit zu kritischer Urteilsbildung, zu Positionierung und Anteilnahme, aber vor allem zu aktivem Handeln.Ein multimedialer Vortrag zur Rolle von Medien-Militär-Macht.
AK Medienpolitik der dju München
Sabah Alnasseri
AutorInnenKollektiv SehStörung, München
Abschlusspodium mit VertreterInnen
der Podien und Workshops
Sonntag von 12.30 bis 14 Uhr
Auf zu neuen Taten – Fortsetzung folgt!
Infos und Anmeldung im kongressbüro:
Tel: 089 / 44229758 (Mo-Fr: 13 – 17 Uhr)
e-mail: anti-kriegs-kongress@gmx.de
resista_2004_a4.pdf | 2 MB


