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Redebeiträge auf der Demo 2003 Teil2

Redebeitrag des Bündnisses gegen die Nato-Sicherheitskonferenz München auf der Auftaktkundgebung am samstag den 8. Februar 2003, Marienplatz.

Wir, das Bündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz, begrüßen euch alle zu unseren Großdemonstration.
Im letzten Jahr haben wir das Demo-Verbot durchbrochen. Auch in diesem Jahr werden wir die in München versammelten Kriegstreibern und Dienern des Profits zeigen: ihr seid weder hier, noch anderswo erwünscht!

Weltweiter Anti-Terror-Krieg, Repression und die Kontrolle der Armen durch die Reichen Staaten – all das soll uns als “Sicherheit” und dienlich für den Frieden verkauft werden!

Die kapitalistische Globalisierung bedeutet für die meisten Menschen auf der Welt keine “Sicherheit” sondern grenzenlose Ausbeutung und Zerstörung der Lebensgrundlagen. Die selbsermächtigung der Nato-Staaten zu weltweiten Militärinterventionen ist eine Antwort auf die Tatsache das der Kapitalismus immer mehr Menschen nichts mehr zu bieten hat. Ein Versuch die verheerenden Katastrophen die aus diesem System enstehen unter Kontrolle zu halten.

Wenn Sie – da drüben im Bayerischen Hof – von “Sicherheit” sprechen; dann meinen sie die Sicherheit Ihrer Investitionen. “Sicherheit” für ihre militärische, wirtschaftliche und soziale Absicherung des Zugangs zu Rohstoffe und Märkte. Die Sicherheit Ihrer Einflußgebiete!
Wir wissen; wenn die Reichen von Frieden und Sicherheit reden, dann gibt es Krieg!

Vielen sehen die EU im Konflikt um dem Irak als Alternative zur agressiven USA.
Heute profilieren die BRD und Frankreich sich als VerfechterInnen der Durchsetzung der Menschenrechte und Entwaffnung des Iraks, mit friedlichen Mitteln.

Aber Gestern? Gestern noch haben sie und fast die gesamte EU die Kriege gegen Rest-Jugoslavien und Afgahnistan unterstützt.

Die zigtausendenToten dieser Kriege zählten damals nichts. Heute geben die BRD und Frankreich vor aus humanitären Gründen, gegen einen Krieg in Irak zu sein.
Geben wir diesen Heuchlern eine Abfuhr! Sie Lügen!

Es geht Ihnen in wirklichkeit ums Geschäft ,- nur ums Geschäft!

Die BRD und Frankreich haben besonders gute wirtschaftlichen Beziehungen zum Irak und dieser Öl-Region. Ein Krieg würde das Geschäft stören. Das und nur das ist der Grund für ihre heutige militärische Zurückhaltung.

Die Ziele der BRD und Frankreich sind letztlich die gleichen wie die der USA; ein möglichst großes Stück des Kuchens abzubekommen. Nur die Mittel zur Erreichung dieses Ziels sind aktuell anders.

Die EU, angeführt von Frankreich und die BRD wollen Ihr Teil am Weltweiten Kontroll-Regime über Absatzmärkte und Einflußgebiete genauso ausbauen wie die USA. Die Aufstellung der 60.000 Mann starken EU-Eingreiftruppe, zeigt das die EU das führen von “eigene” Kriege ohne die Vormundschaft der USA, anstrebt.

Das sind die ach so “friedliebenden”, langfristigen Absichten des humanen Europas.
Wenn die mächtigen der EU, allen vor an die der BRD, Frankreich, anderes behaupten, dann lügen sie!

Wir sagen: keine Hoffnungen in die friedensstiftenden Rolle dieser Regierung!

– die Umstrukturierung der Bundeswehr von einer Armee zur Verteidigung des eigenen Territoriums zu einer Armee die überall auf der Welt eingesetzt werden soll, die reale Teilnahme an verschiedenen Kriege und die Schaffung von Protektorate in ex-Jugoslavien und Afgahnistan und die Tatsache das die BRD, nach der USA, inzwischen das Land mit dem grössten Anteil im Ausland eingesetzter Truppen in der Welt ist (inzwischen über 10.000 Mann.) zeigt::die BRD war damals Kriegspartei und ist es heute wieder!

Rot-Grün behauptet Deutschland würde sich nicht an einem Krieg gegen den Irak beteiligen.
Sie lügen. Die wirklichkeit sieht anders aus.

Deutschland ist jetzt schon an diesem Krieg beteiligt;
Mit Überflugsrechte für US- Militär-Transportern für Truppen und Material, mit Bundeswehrsoldaten bemannte und unbemannte Aufklärungsflugzeuge, mit Bundeswehr Lazerette für US-Soldaten, mit der Bewachung von US-Basen durch Bundeswehrsoldaten, mit den in Afgahnistan stationierten ABC-Spürpanzen, wird die Kriegsführung der USA unterstützt.

Wir sagen nicht, Saddam wäre ein harmloser, demokratischer Politiker. Niemand kann die Giftgasanschläge des irakischen Regimes auf die Kurden in Helabscha vergessen, ermöglicht mit Unterstützung vor allem deutscher Konzerne!

Unter dem Deckmantel der Entmachtung eines Dikators und der Demokratierung Iraks wollen die Mächtigen und Reichen die hinter der Nato und der Nato-Sicherheitskonferenz stehen, ihre imperialistischen Interessen in der Irakischen Region durchzusetzen!
Aber der Sturz Saddams kann nur die Aufgabe des Irakischen Volkes selber sein.

Die EU-Staaten reagieren mit äusserst Repressiven Mitteln auf die Mobilisierungen der Anti-kriegs und Anti-Globalisierungsbewegung: eine groß angelegte Diffamierungskampagne soll uns in der Nähe des Terrorismus stellen. Die Herrschenden in Europa scheuen vor der Einschränkung demokratischer Rechte bis zur Körperverletzung und Mord (Carlo Guiliani), zur Sicherung ihrer Macht, nicht zurück!
Die Repression nach innen ist die Kehrseite der aggressiven Politik nach aussen!
Denen sollen wir ihre friedlichen Absichten abnehmen? Nicht mit uns!

Wir lassen uns nichzt Einschüchtern, der Widerstand fängt erst an!
Hoch die internationale Solidarität!
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Sabah Alnasseri: Redebeitrag auf der Demonstration

Am Samstag auf dem Marienplatz

Wider die imperialen Kriege

Liebe Leute,

Das Spiel ist noch längst nicht zu Ende!

Es mag sein, dass das Ganze für die Bush-Administration und ihre kriegslustigen Gladiatoren, die sogenannten Neu-Europäer, ein Männerspiel ist, über dessen Regeln und dessen Ende einzig und allein der Präsident Bush entscheidet; ein Spiel, in dem er gegen all die von ihm genannten falschen Götter ins Felde zieht.

Es mag sein, dass sich die Kriegsfanatiker dabei von einem perfid-archaischen Show-down-szenario, der Gewissheit a là Hollywood – die „Guten“ siegen immer am Ende – leiten lassen: ein ideologischer Gemeinplatz von Fundamentalisten, Conquestadoren, Nihilisten und Mujahedin aller Couleur.

Es mag sein, dass sie in unserem Namen, im Gottesnamen, im Namen der Menschheit, der Zivilisation oder einfach im Namen der selbsternannten Götter dieses bis zum Himmel stinkenden Imperiums Kriege führen.

Und es mag sein, dass mangels an „Beweisen“ für ihre selbstgerechten Kriege ihre Geheiminformationen von der Arbeit eines Studenten abschreiben ließen, was an sich weniger ein Skandal, als viel mehr eine Beleidigung für alle StudentInnen ist.

Zynisch genug. Aber der Zynismus, wie der alte Hund einst sagte, liegt in der Sache selbst und die traurige Geschichte wiederholt sich abermals, solange die Geschichtsschreiber dieselben bleiben und solange die Mehrheit der Weltbevölkerung zu Zuschauern, zu Statisten dieser Geschichtsmacherei degradiert werden.

Doch der Krieg wird weder im Weltsicherheitsrat noch im Pentagon entschieden. Wir sind es, die über Krieg und Frieden entscheiden.

Uns wird stets glaubhaft gemacht, dass der Krieg, auf dessen Gesicht der globale Rassismus eingemeißelt ist, gleichsam eine Naturkatastrophe kommen wird, ein unaufhaltsamer Sachszwang ist. Diese ganze logisch aufgebaute Unsinn zielt darauf ab, unseren Widerstand zu brechen und ihn in die Sinnlosigkeit zu katapultieren.

Freundinnen und Freunde,

Millionen IrakerInnen leben seit mehr als 3Jahrzehnten unter einem menschenverachtenden, von den Gladiatoren des Krieges unterstützten und hoch aufgerüsteten Regime. Dies war kein Fehler, sondern eine Methode: Das ganze Gerede vom Krieg wäre sinnlos, wenn die Kriegsherren nicht zu früheren Zeitpunkten und zu anderen Zwecken solche Schlächter alà Hussein, Bin-Laden, Taliban etc. geschaffen, eingesetzt und auf die Menschheit losgeschickt hätten.

Millionen von Menschen im Irak leben seit mehr als 2Jahrzehnten im Krieg als Dauerzustand und mehr als 1Jahrzehnt unter einem völkerrechtlich legitimierten Massenmord, genannt Embargo. Und jetzt sollen ausgerechnet diese Menschen für diesen ganzen Mist mit ihrem Leben bezahlen.
Diese Menschen sehnen sich seit langem nach friedlich-demokratischen Zuständen, nicht aber nach einer in ihrem Leib gebombte Demokratie.

Seit je wird der Mist, der in diesem sogenannten zivilisierten Teil der Welt produziert wird, auf die Menschen im Süden abgewälzt: von atomaren Müll, auch in Form von Bomben bis hin zu ideologischem Müll Vergangenheitsbewältigungen aller Art.

Liebe Leute,

Die Menschen im Irak, und nicht nur dort, da die Kriegsliste der Kriegsfanatiker unverschämt lang ist, erhoffen sich gegen dieses perfide Bündnis für den Krieg ein Bündnis für dauerhaften, gerechten und demokratischen Frieden.

Seien wir realistisch und machen wir das Mögliche: alle imperialen Kriege stoppen!

Herr Präsident, Kriegsherren: Das Spiel ist noch längst nicht zu Ende!

Frankfurt/München den 8. Februar 2003

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Beitrag: Verlesen aus dem Lautsprecherwagen auf der Demo gegen den globalen Krieg der Nato-Staaten” am 8. Februar in München

Pfingsten 2003- Gegen die Traditionspflege der Gebirgsjäger
Bestrafung der Kriegsverbrecher! Entschädigung aller NS-Opfer!

Nahe der österreichischen Grenze, umgeben von steilen Bergen und stillen Gewässern, lädt der Ferienort Mittenwald zu einem Aufenthalt ein. Das regional spezifische Reizklima ist besonders an den Pfingstfeiertagen deutlich spürbar, wenn sich die alten Gebirgsjäger-Kameraden der Wehrmacht gemeinsam mit ihren Bundeswehr-Nachfolgern versammeln, um althergebrachte Werte und Traditionen zu pflegen. Sie leugnen noch heute die von ihnen begangenen Massaker und Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges u. a. in Griechenland (Kommeno, Kephallonia, Lyngiades, Skines), in Italien (Camerino, Fabriano), in Frankreich ( im Vercors), in Finnland (Rovaniemi) und in weiteren Orten Jugoslawiens, Polens, Albaniens, der Sowjetunion und dem Kaukasus.

In Kommeno (Nordgriechenland) fuhren Soldaten der 12. Kompanie des Gebirgsjäger-Regiments 98 am 16. August 1943 zum Morden „feldmarschmäßig“ mit Maultieren und dem Küchenwagen vor und erschossen 317 Frauen Männer und Kinder. Die unter dem Kommando des späteren Bundeswehrgeneraloberst Reinhold Klebe stehenden Soldaten ermordeten nicht nur Zivilisten, sondern schändeten Frauenleichen und gaben das Dorf zum privaten Raubzug frei. Dieses bestialische Massaker blieb kein Einzelfall. Im September 1943 beteiligten sich Soldaten der 1. Gebirgsdivision an der Entwaffnung der italienischen Armee in Griechenland und erschossen ca. 4.000 gefangengenommene Soldaten auf der Insel Kephallonia. Die Mörder zogen weiter. In Joannina. unterstützte die 1. Gebirgsdivision die Geheime Feldpolizei bei der Ghettoisierung und Deportation der griechischen Jüdinnen und Juden. Jüdische Partisanen wurden hingerichtet. Griechische ZivilistInnen, die die Massaker überlebten, wurden als Geiseln festgehalten oder nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. Unter dem Deckmantel der sogenannten „Bandenbekämpfung“ ermordeten Gebirgsjäger-Einheiten über 1.000 GriechInnen und zerstörten allein im Oktober 1943 im Epirusgebiet mehr als 100 Dörfer. Auch in Italien wurden im Juni 1944 in den Dörfern Camerino und Fabriano im Zuge der „Partisanenbekämpfung“ über 100 ZivilistInnen von Angehörigen der 5. Gebirgsjäger-Division ermordet. Für diese Kriegsverbrechen wurde nicht ein einziger Gebirgsjäger von der deutschen Justiz zur Rechenschaft gezogen.

Im bayerischen Mittenwald feiern Angehörige der faschistischen deutschen Wehrmacht und der Bundeswehr noch heute ihre vergangenen und aktuellen Fronterlebnisse. Voller Stolz erleben die greisen Wehrmachtssoldaten, dass Bundeswehrsoldaten in SFOR- und KFOR-Einheiten heute wieder auf dem Balkan kämpfen, wo sie selbst schon vor 60 Jahren wüteten. Die Soldaten der Gebirgsjäger-Einheiten beschwören eine Tradition von den kaiserlichen Truppen des Ersten Weltkrieges über die Wehrmacht Nazi-Deutschlands bis zur heutigen Bundeswehr.

Zu ihrer größten Überraschung wurden die Feiern der Gebirgstruppe Pfingsten 2002 zum ersten Mal seit 1952 gestört! AntifaschistInnen aus der gesamten Bundesrepublik folgten der Einladung des Fremdenverkehrsvereins Mittenwald, am samstäglichen Kameradschaftstreffen teilzunehmen. Sie wollten eine Gedenkminute zu Ehren der ermordeten Menschen am Versammlungsort der Täter abhalten und die Anwesenden mit der mörderischen Geschichte der Gebirgstruppe konfrontieren. Alte und junge Kameraden reagierten darauf äußerst aggressiv. Die bayerische Polizei würdigte die antifaschistischen Bemühungen, indem sie alle BesucherInnen einer Jugendherberge, unter denen sie TeilnehmerInnen der Gedenkveranstaltung vermutete, festsetzte und die Herberge selbst zum Ort der Ingewahrsamsnahme erklärte. Stundenlang wurde das Haus von der Polizei samt Hundestaffeln umstellt, bevor den inzwischen sehr hungrigen und durstigen Gästen erlaubt wurde, sich zu versorgen. Zur gleichen Zeit trafen sich rund 2.000 ehemalige und aktive Gebirgsjäger zur größten deutschen Soldatenfeier am Ehrenmal „Hoher Brendten“ auf nahe gelegenem Bundeswehrgelände. Der Versuch, am späten Nachmittag eine spontane Kundgebung in Mittenwald durchzuführen, um sowohl über das Kameradentreffen als auch über die Festnahme der AntifaschistInnen zu informieren, wurde durch einen weiteren Polizeieinsatz vereitelt.
Die „unangreifbare Traditionspflege“ (Zitat Stoiber) alter und junger Militaristen und Mörder wollen und dulden wir nicht. Wir wollen keine Zukunft, die irgendwelche Militärs mitgestalten. Das Militär hat keine Zukunft, es ist Garant einer Gegenwart, die jeder emanzipatorischen Politik entgegensteht. Wir wollen keine Entschuldigung für das eine oder andere Massaker, wir wollen dass die Überlebenden der Massaker endlich von der BRD entschädigt werden.

Pfingsten 2003, also am 7. und 8. Juni 2003 werden wir die Gemeinde Mittenwald und die Gebirgsjäger-Kameraden erneut besuchen. Wir wollen in Mittenwald die Entschädigungsforderungen griechischer NS-Opfer gegenüber der Bundesrepublik Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen und sie wirksam unterstützen und einen Beitrag zur Wiederaufnahme von Ermittlungsverfahren gegen Gebirgsjäger der Wehrmacht wegen Kriegsverbrechen leisten.

Wir rufen AntifaschistInnen und AntimilitaristInnen dazu auf, an einem Hearing, an Demonstrationen und Aktionen in Mittenwald und am Hohen Brendten teilzunehmen. Zu dem Hearing zu den Kriegsverbrechen der deutschen Gebirgsjäger und zu den Entschädigungsforderungen der Opfer sind u.a. VertreterInnen des Griechischen Nationalrats der Opferverbände aus Athen, Überlebende der Massaker aus Griechenland, MilitärhistorikerInnen und WiderstandskämpferInnen eingeladen.

Nichts ist vergessen!
Bestrafung der Kriegsverbrecher!
Entschädigung aller NS-Opfer!

VeranstalterInnen: AK Angreifbare Traditionspflege, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN-BdA , unterstützt vom AK Distomo

Kontakt: AK Angreifbare Traditionspflege angreifbare.tradition@freenet.de
Postanschrift: AK Angreifbare Traditionspflege c/o Antifaschismus-Referat Bergische Universität Wuppertal Max-Horkheimer-Str. 15 42119 Wuppertal

Spendenkonto: Freie Medien „Traditionspflege“ Postbank Essen Ktr. 470834437 Blz. 36010043

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Ernst Grube
Rede für die Anti-Kriegskundgebung am 8. Februar 2003 in München

Liebe Freundinnen und Freunde,

Was ist das für ein Tag!

10 000 de Menschen haben heute gegen den verbrecherischen Krieg demonstriert. Wenn ich auch weis, dass diese Veranstaltung allein den Krieg nicht verhindern kann, so gibt mir doch die große Beteiligung gerade junger Menschen an dieser Demonstration großen Mut.

Ich bin gebeten worden, als ehemaliger Verfolgter des Naziregimes auf dieser Kundgebung zu sprechen und komme dieser Bitte gerne nach.

Die Menschen meiner Generation, die Faschismus und Krieg noch am eigenen Leibe erleben mussten, werden älter und weniger. Es waren die überlebenden Häftlinge der faschistischen Konzentrationslager, die nach ihrer Befreiung forderten: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ und den „Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit!“

Sie forderten dies in voller Kenntnis der Tatsache, dass sie ohne die alliierten Armeen der Anti-Hitler-Koalition nicht überlebt hätten. Für mich, meine Mutter und meine Geschwister waren es die Sowjetsoldaten, die Rote Armee, die uns aus dem Lager Theresienstadt befreiten, in das man uns als Juden verschleppt hatte. Für die Gefangenen von Dachau oder Buchenwald kamen die Befreier in der Uniform der US-Army, in Bergen-Belsen waren es die Briten.

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ ist deshalb für uns Überlebende Verfolgte ein Satz, dessen beide Teile untrennbar miteinander verbunden sein müssen – auch und gerade angesichts der Opfer, die unsere Befreier im Zweiten Weltkrieg bringen mussten.

Wenn wir heute aus unserer Geschichte lernen, dann ist es vor allem eine Erkenntnis, dass es Auschwitz , die vielen Vernichtungs- und Konzentrationslager, ohne Krieg, ohne den Eroberungskrieg, mit dem das NS-Regime die halbe Welt überzog, niemals gegeben hätte.

Aus der Geschichte lernen heißt für mich vor allem Stellung beziehen. Wie war das damals – gibt es heute gleiche oder ähnliche Erscheinungen. Und da sehe ich vor allem drei Beispiele:
1.Die Faschisten haben das deutsche Volk manipuliert, angelogen und verdummt bis es bereit war die Vernichtung von uns Juden mehr oder weniger bereitwillig zu akzeptieren. Obwohl als Folge des Iran/Irak Krieges und des über 1o Jahre andauernden Embargos wöchentlich über 5ooo Kinder sterben werden wir über die wahren Absichten der amerikanischen Politik manipuliert und belogen.
2. Hitler und seine Generäle führten nicht nur einen Angriffskrieg, sondern auch einen Vernichtungskrieg. Und dieser war von Anfang an geplant.
Erich Böhme hat in einem Kommentar der Abendzeitung vom 25.Januar 2003 geschrieben: „.... dass Bush keinen Zweifel aufkommen lässt, dass er einen Vernichtungskrieg führen… will“.
Es mag nicht die Absicht der US-Regierung sein, aber in letzter Kon-sequenz kann dieser Krieg zu einem Vernichtungskrieg werden.

3. Ich habe das Bild der Opfer vor mir – damals und heute!

Die Nazis haben 6 Millionen Juden , 500 000 Sinti und Roma, 100 000 de politische Gegner umgebracht. Heute will man uns weis machen, dass 500 000 getötete Zivilisten oder mehr als 3 Millionen Tote bei einem Einsatz von Atomwaffen in Kauf zu nehmen sind um „schlimmeres zu verhüten“!!

Aus der Geschichte lernen zeigt uns aber auch:

Wären die Arbeiterparteien, wären alle Demokraten der damaligen Weimarer Republik ohne Rücksicht auf Herkunft, Weltanschauung und Religionszugehörigkeit sich damals einig gewesen, dass das wichtigste sei, gemeinsam einen Krieg zu verhindern, dann hätten sie dies vermutlich auch mit Demonstrationen, Streiks, parlamentarischen Intitiativen und was es da noch alles an Möglichkeiten zivilen Engagements gibt, bewerkstelligen können. Die Machtübernahme der Nazis mit all ihren kriegerischen und massenmörderischen Folgen, auch Auschwitz, hätte es nicht gegeben.

Die Möglichkeit, all das zu verhindern bestand – wären die Warnungen vor 1933 ernst genommen worden, die vor allem von den Arbeiterparteien kamen: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg“.
Daher muss es heute um so deutlicher gesagt werden „Nie wieder Krieg ,nie wieder Faschismus“

Was macht unsere Bundesregierung?

Natürlich bin ich froh, dass die Bundesregierung sich nicht in die aktuelle Kriegsfront einreihen will und wir sollten sie auch in ihrer Position gegen den Irak-Krieg bestärken, vor allem sollten wir unsere Freunde in den Gewerkschaften, in den Regierungsparteien und in den Kirchen in ihrem Kampf gegen den Krieg unterstützen und sie, aus der Geschichte lernend, davon überzeugen, dass wir nur Erfolg haben werden, wenn wir den Kampf gemeinsam führen.

Aber wir können nicht darüber schweigen, dass die deutschen Hilfsdienste der amerikanischen Aggression dienen.

Die Bereitstellung von Stützpunkten in Deutschland, Awacs-Besatzungen für Aufklärungsflüge, den Einsatz von Fuchs-Spürpanzer dient und unterstützt die Ermordung 100 000 er Männer, Frauen und Kinder! Und nicht nur im Irak. Der Angriffskrieg gegen den Irak ist ein Angriff gegen die Arabische Welt. Er wird bei den Menschen einen Hass gegen die westliche Welt erzeugen unter dem noch unsere Enkel und Urenkel leiden werden.

Gegen den Irak-Krieg zu protestieren und gegen diese Sicherheitskon-ferenz, die ursprünglich ja „Wehrkundetagung“ hieß gehört deshalb für mich zusammen – wollen wir es ernst nehmen mit dem „Nie wieder Krieg!“ Es ist richtig, dass der Oberbürgermeister, dass führende Kirchen- und Gewerkschaftsgremien aufgerufen haben gegen die aktuelle Kriegsgefahr zu demonstrieren.
Unser Protest gegen den Krieg im Irak, ist natürlich ein Kampf gegen jede Art von Krieg. Wir wollen eine Welt, in der der Krieg als Mittel der Konfliktlösung ausscheidet.

Um das zu erreichen wird es allerdings nicht ausreichen, den Krieg als solchen an den Pranger der Inhumanität zu stellen. Dazu gehört immer auch der Kampf gegen alltäglich stattfindende Intoleranz und Diskriminierung von Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe, besonders von Flüchtlingen aus anderen Ländern, denen bei uns das Asyl verwehrt wird. Dazu gehört das Engagement für soziale Gerechtigkeit und gegen den Abbau sozialer und demokratischer Rechte bei uns daheim und für eine soziale Weltwirtschaftsordnung. Und dazu gehört nicht zuletzt das Eintreten gegen jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus.

Liebe Freundinnen und Freunde. Ich denke, dass wir noch eine kleine Chance haben, diesen Krieg zu verhindern. Die britischen und ameri-kanischen Ölmultis sind allein. In allen Ländern der Welt ist die ü-berwiegende Mehrheit der Bevölkerung gegen diesen Krieg. Selbst in Amerika wächst die Front der Kriegsgegner von Tag zu Tag. In unserem Land würden nur 9% der Bevölkerung einem Krieg Amerikas gegen den Irak zustimmen.

Unsere Möglichkeiten gegen diesen Krieg bestehen nur darin, die Bundesregierung durch massive Proteste, Demonstrationen in allen gesellschaftlichen Einrichtungen und Institutionen unter Druck zusetzen.
Ich fordere den Bayerischen DGB Chef, Fritz Schösser und den Münchner SPD Chef, Franz Maget, auf ,ihre Mitglieder und die gesamte Öffentlichkeit zu mobilisieren und zusammen mit uns, ATTAC, dem Friedensbündnis, den Kirchen u.a. den Kampf gegen den Krieg und für den Frieden in unserer Welt zu führen. Denn wir müssen uns klar sein, dass wir erst am Anfang sind.

Wir brauchen für die nächsten Wochen und Monate eine große, starke und einheitliche Friedensbewegung mit einem langen Atem!

E s l o h n t s i c h !

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg


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